Meine Erfahrungen mit der Canon EOS R: Warum ich sie mag – und was mich nervt
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Tommy -
15. Februar 2026 um 12:47 -
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Meine Canon EOS R kaufte ich mir gebraucht in sehr gutem Zustand, ca. vor 1 1/2 Jahren – geprägt von vielen Meinungen, dass die Zeit der DSLRs vorbei ist und spiegellos das Maß aller Dinge sei. Da ich die kleinen Canon EOS M50 und EOS M100 sowie Fuji X-T20 und X-T3 als spiegellos schon kannte, suchte ich auch im Vollformat nach einer Alternative zur Canon 6D Mark II. Da ich mit den Canon Systemen von Beginn an sehr gerne fotografierte und ich mit dem System vertraut war, fiel die Wahl auf die R – auch, da ich schon eine Menge an EF-Objektiven mein Eigen nennen konnte und der R der EF-RF-Adapter beilag. Die neueren Modelle wie die R5 und R6 waren mir zu dem Zeitpunkt einfach noch zu teuer, und die Canon EOS RP hatte kein Schulterdisplay, was mir einfach wichtig war, da man so Verschlusszeit, Blende und ISO sehr schnell ablesen kann, ohne durch den Sucher zu schauen oder das Display auszuklappen. Das schätze ich schon bei der 6D II und der 80D.
Im Vorwege hatte ich mich zwar mit der Kamera etwas beschäftigt und wusste auch, dass sie diese „komischen“ Touchknöpfe auf der Rückseite hatte, dachte aber, dass man damit irgendwie zurechtkommen kann – was sich im Nachhinein als „zu gut gedacht“ herausstellte, da diese wirklich eine absolute Fehlkonstruktion sind.
Ansonsten ist die Bedienung Canon-typisch. Die Größe der Kamera passt gut zu mir und die R ist nicht ganz so bullig wie die 6D, liegt bei mir aber sehr gut in der Hand. Die Verarbeitung ist gut. Einzig was mich wirklich nervt, ist das hintere Display: Ist dieses eingeklappt, mit Display nach innen (also geschützt), wirkt das Plastik echt billig. Wenn man darauf fasst, scheint es fast hohl dahinter zu sein. Ok, das ist bei der 6D auch so, nur bei der R fühlt sich das Ganze einfach komisch an. Durch die strukturierte Oberfläche bekomme ich sogar das Gefühl, das Display ist mit Richtung nach außen besser geschützt als eingeklappt.
Leider gibt es bei der R keinen Joystick und im Gegensatz zur 80D und 6D auch kein Drehrad auf der Rückseite. Das ist bei der R durch ein Drehrad oben gelöst. Ok, kein Beinbruch – die Blende habe ich mir eh auf den Adapter gelegt, welchen ich später noch dazu kaufte. Beim Standard-Lieferumfang ist zwar ein EF-RF-Adapter beigelegt, dieser hat jedoch keine weitere Funktion. Canon bietet auch einen Adapter an, welcher einen Steuerring besitzt. So dachte ich: cool, jetzt lege ich die Blende darauf und habe so ein klein wenig Retro-Feeling wie bei Fuji-Objektiven mit Blendenring. Funktioniert auch ohne Probleme, jedoch sollte man beachten, dass der Steuerring sehr leichtgängig läuft. Mir ist es nicht nur einmal passiert, dass ich die Blende auf 22 verdreht habe und mich später wunderte, warum die Auto-ISO bei 12.000 liegt – ja natürlich, Blende total zu. Bei bewusstem Fotografieren merkt man dies schnell, jedoch im Urlaub oder wenn man unterwegs ist, übersieht man es ab und an und das verstellt sich eben beim Anpacken der Kamera wirklich schnell.
Und ja, Canon-typisch: Der Ein/Aus-Schalter sitzt auf der linken Seite, wie bei der 6D und 80D. Meine M50, die 600D und die 1200D haben den On/Off-Schalter schön auf der rechten Seite, sodass man die Kamera mit einer Hand schnell anschalten kann. Bei der R benötigt man leider oft zwei Hände.
Top sind Display und der Sucher: Im Gegensatz zu meiner Sony A7 II ist der Sucher schön klar und hell, das Schulterdisplay hat eine Beleuchtung und ist damit auch immer gut ablesbar. Alle Knöpfe und Drehräder fühlen sich gut an, einzig das Steuerkreuz wirkt schon fast „billig“ – da fühlt sich das der 600D schon fast besser an.
Diese komischen Touch-Tasten habe ich probiert, dann aber auch abgeschaltet. Bzw. liegt da die ISO drauf, aber diese habe ich ebenso durch die M-Fn-Taste im Zugriff und nutze diesen Touch-Kram nicht. Ich weiß nicht, was Canon sich dabei dachte – wollten wohl „modern“ wirken. An Kameras müssen Knöpfe. Ich selber nutze meist nicht mal das Display und lasse es meist zugeklappt.
Schön ist, dass man alle EF-Objektive weiter nutzen kann, auch wenn diese dann ca. 2–3 cm mehr aufbauen durch den Adapter. Mit dem Autofokus komme ich sehr gut zurecht (auch wenn die neueren Modelle sicher noch mal besser sind). Bei MF mag ich die Anzeige zum Scharfstellen: Es kommen drei „Pfeile“ oben zusammen, wenn man den Fokus erreicht hat. Finde ich echt toll. Und das Menü ist Canon-typisch gut (oder es ist die Macht der Gewohnheit).
Alles in allem eine gute Kamera und mit ca. 30 Megapixeln braucht sie sich auch heute noch nicht zu verstecken. Ich habe sie in letzter Zeit schon für um die 600 € teilweise gesehen. Ich kaufte sie für 1.150 €, aber mit Garantie – ein Wahnsinn, wie doch die Preise verfallen. Was noch toll an der R ist: Der Verschlussvorhang schließt sich bei abgeschalteter Kamera. Das hat durchaus Vorteile, wenn man draußen das Objektiv wechseln möchte – kein Schmutz auf den Sensor. Meine A7 II zieht Sensorflecken schon magisch an, das kenne ich von der R gar nicht. Bisher musste der Sensor noch nie gereinigt werden. Zusätzlich ist der Sensor auch vor Sonnenlicht geschützt, wenn der Objektiv Deckel mal nicht drauf ist, bei manchen Kameras erhält man sogar eine Warnung "Objektivdeckel nicht vergessen". ![]()
Für jemanden, der eine günstige Vollformatkamera sucht, wen dieser Touch-Kram nicht stört und der nicht den modernsten und schnellsten AF benötigt, ist das eine wirklich solide Kamera, welche modern ausschaut, wetterfest ist und Canon-typisch schöne Fotos liefert. Auf den Steuerring des höherwertigen Adapters würde ich die ISO legen, da die sich komischerweise dort erst verstellen lässt, wenn der Auslöser halb durchgedrückt wurde. Somit verstellt man diese nicht beim Tragen der Kamera (sofern diese eingeschaltet ist). Da die meisten meiner EF-Objektive eine Stabilisierung haben, stört es mich nicht so sehr, dass die R keinen Stabi verbaut hat. Wenn ich dies mal benötige, nutze ich dann die A7 II, wo ich per Adapter auch die Canon-Linsen verwenden kann.
Ich denke, gerade für Umsteiger vom Canon-EF-System ist dies durchaus eine interessante Kamera. Wenn man bedenkt, dass man für eine 6D II fast das gleiche an Geld bekommen kann, ist es quasi ein Tausch, wenn man sich die R gebraucht kauft.
Lohnt sich die Canon EOS R im Jahr 2026 noch? Ich würde sagen: gebraucht und in der Hobbyfotografie ja – gerade für Canon-DSLR-Nutzer. Man muss nicht zwingend die RF-Objektive kaufen. Gerade wenn man ältere, hochwertige L-Objektive besitzt, macht die R mit Adapter Sinn. Benötigt man moderne AF-Systeme (Tier-AF, Augenerkennung usw.), sollte man besser bei den neueren Modellen schauen, da ist die R dann doch schon in die Jahre gekommen.
Für mich ist die R auch eher ein „Arbeitsgerät“: Sie arbeitet zuverlässig, hat aber wenig Charme. Solide und robust (bis auf die Displayrückseite) begleitet sie mich, wenn ich gute Bilder aufnehmen möchte. Fürs Herz und zum Wohlfühlen schafft sie es leider nicht. Da waren damals die 600D oder die 6D II irgendwie anders. Wenn ich Leidenschaft möchte und Fotofeeling, nutze ich die Fuji X-T3 oder auch die Sony A7 II. Obwohl älter und technisch schlechter, hat die noch irgendetwas, was ich schlecht beschreiben kann. Das hält mich auch davon ab, mir eine R6 oder R5 anzusehen – Canon hat für mich irgendwie etwas Leidenschaft verloren, aber dieses Gefühl ist natürlich subjektiv und jeder wird das anders empfinden.
Würde ich mir die R nochmals kaufen? Ich denke ein klares Ja. Spiegellos und was der R am nächsten kommt – wegen dem Schulterdisplay – ist die R5, und die beiden liegen preistechnisch so weit auseinander, dass die R5 nicht in Frage kommt.
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