Muss es immer die neueste Kamera sein?

    • Offizieller Beitrag

    In Zeiten von 45-Megapixel-Sensoren, Eye-AF in Echtzeit, KI-unterstützter Motiverkennung und 8K-Video scheint eine Kamera aus dem Jahr 2017 schon fast antik. Jedes Jahr werden neue Kameramodelle auf dem Markt geschmissen - schneller, schärfer, smarter –, stellt sich mir zunehmend eine einfache Frage:

    Brauchen wir das wirklich alles?

    Oder anders gefragt:

    Kann man mit älterer Technik nicht genauso gute – vielleicht sogar bewusstere – Fotos machen?

    Ich habe hier meine Canon EOS 6D Mark II – eine Kamera, die ich nach wie vor sehr gern nutze. Sie ist vielleicht nicht mehr „state of the art“, aber: Sie funktioniert, sie fühlt sich gut an, und sie liefert tolle Bilder. Diese Kamera habe in den letzten Monaten öfter mal bewusst genutzt um mit Einschränkungen zu fotografieren. Die Auseinandersetzung mit Technik, die mir nicht alles abnimmt, zwingt mich zum Denken. Ich schaue bewusster, ich komponiere ruhiger. Und oft gefallen mir die Ergebnisse besser als die aus der High-End-Kamera.

    Natürlich hat moderne Technik ihre Berechtigung – für bestimmte Zwecke (z. B. Sport, Reportage, Low-Light) ist sie sogar notwendig. Aber für das, was viele von uns tun – Landschaft, Street, Porträt, kreative Fotografie – reicht ältere Technik oft vollkommen aus.

    Manchmal denke ich sogar: Die Industrie macht uns unzufrieden, um uns zum Kaufen zu bringen. Dabei haben viele von uns schon jetzt mehr Kamera, als wir je ausnutzen werden.

    Ich frage mich oft:
    Warum dieses ständige Streben nach dem Neuesten?
    Braucht es wirklich jedes Jahr ein neues Modell? Oder geht es nur noch um Specs, Vergleiche und Reviews – aber nicht mehr ums Fotografieren selbst?

    Ich glaube:
    Wer weiß, wie Licht funktioniert, wie Bildaufbau wirkt und wie man mit Emotion fotografiert, der braucht keine 4000 € teure Kamera.
    Man kann mit „älterer“ Technik genauso ausdrucksstarke Bilder machen – vielleicht sogar bewusster.

    Was denkt ihr dazu?
    • Nutzt ihr selbst noch eine ältere Kamera?
    • Habt ihr euch bewusst gegen einen Neukauf entschieden?
    • Oder seid ihr technikverliebt und freut euch über jedes neue Feature?

    Ich freue mich über eure Gedanken, Erfahrungen und gern auch Bildbeispiele.

  • "Brauchen wir das wirklich alles?"

    Nun, das ist im Grunde genommen eine philosophische Frage.

    Was brauchen wir wirklich? Was wird uns genommen, welche (Konsum-)Freiheit gelassen?

    Aber zur Fotografie:

    Nachdem ich von klein auf fotografiere, besitze ich etwa 100.000 Aufnahmen. Aufnahmen, die fast ausschließlich mir etwas bedeuten und mit großer Wahrscheinlichkeit mit mir verschwinden werden. Auch im Beruf hatte ich nebenbei lange Zeit mit Fotos und deren Bearbeitung (mit riesigen Reprokameras) zu tun.

    Fotos, werden heute mit jedem Handy besser gemacht. Bisher schaffen es meine Frau und ich, auf so ein Gerät zu verzichten, und dies, obwohl ein Handy für Erinnerungsfotografen viele Vorteile hat: Zum Beispiel Dauerverfügbarkeit sowie für „willst-du-mal-sehen“-Bilder in der Kneipe gute bis sehr gute Qualität.

    Brauchte ich eine neue Kamera?

    Nein! Ich wollte eine neue Kamera („brauchen“ versus „wollen“). Bisher lieferte noch jede neue Kamera (ich fotografiere von klein auf, also schon ziemlich lange) eine bessere Technik, besseres Bildmaterial. Meist nur für mich erkennbar. War die Bildqualität schlecht, lag es fast immer an mir, dem Fotografen.
    Allerdings war auch die Anforderung an die Bildqualität (Bildschärfe, Farbtiefe, Farbstich) nicht so hoch wie heute.

    Natürlich machte die Bearbeitung des Schwarz-Weiß-Filmmaterials in der Dunkelkammer, die verschiedenen Bearbeitungstechniken, das Solarisieren etc. viel Spaß und ich freute mich, wenn die eine oder andere Aufnahme besonders gut gelungen war.
    Heute geht das sehr komfortabel an den unterschiedlichsten Programmen.

    Nachdem ich mich für neue Fototechnik immer noch begeistern kann, kommt auch alle paar Jahre eine neue/andere Kamera in Frage. Noch kann ich es mir – quasi als Luxusspielzeug – leisten, ohne auf Anderes verzichten zu müssen.

    Die Kamera begleitet mich bei ausgedehnten Spaziergängen, auf meinen Radtouren durch die „Prärie“ (über Wald und Wiesen), zum täglichen Training und zu Veranstaltungen.

    Trotzdem: Eine neue Kamera habe ich nicht gebraucht, ich wollte sie haben.

    • Offizieller Beitrag

    Was brauchen wir wirklich? Was wird uns genommen, welche (Konsum-)Freiheit gelassen?

    Ich glaube, dass ist so eine Grundsätzliche Frage, aber das würde hier etwas "abschweifen" ;)

    Fotos, werden heute mit jedem Handy besser gemacht.

    Hmmm, ich denke da kommt es darauf an. Sicher, mache ich Private Fotos von Familie, Unterwegs mal schnell, Urlaub usw., machen Handys ausreichend gute Fotos, auch, weil man sich die eh quasi fast nur noch am Handy anschaut. Durch die KI und Optimierungen sehen diese Fotos auch gut aus (wenn auch meiner Meinung nach zu hoch optimiert, man verlernt "echte" Farben). Es gibt sicher auch einige, welche bewusster mit dem Handy fotografieren jedoch meine ich, möchte ich richtig gestalten und eben fotografieren (nicht nur knipsen) ist selbst eine DSLR aus 2010 dem Handy Haushoch überlegen. Allein schon die Auswahl der Objektive, auf dem Handy unmöglich. Blende und Brennweite auf dem Handy Star, bei der Kamera wählbar. Und für mich extrem wichtig, das Handling! Ich habe mal versucht, mit meinem iPhone und Lightroom zu fotografieren, klappt auch ganz gut, Bilder sind "brauchbar" (Druckbar, weiß nicht), jedoch mache ich selbst mit der ollen 600D oder alten X-T20 bessere Bilder, weil ich eben komplett anders heran gehe und es auch bewusster tue.

    Allerdings war auch die Anforderung an die Bildqualität (Bildschärfe, Farbtiefe, Farbstich) nicht so hoch wie heute.

    Ich denke, diese Anforderungen werden jedoch "Erschaffen". Klar kann ich auf dem Handy oder Rechner jeden Pixel aufzoomen, aber im normalen würde ich wetten, wenn man 2 ausgedruckten Bilder im normalen Format von einer Sony A7 irgendwas oder einer Nikon D5600 nebeneinander legt, beim normalen betrachten sieht man nicht, welche Kamera welches Bild gemacht hat. Wenn ich etwas bei Bildern meiner alten Kamera sehe, wenn ich etwas nicht korrekt umgesetzt habe. Und, was ich auch finde, haben Kameras auch einen gewissen Charakter, alte Linsen + ältere Kameras, das neue ist schon sehr perfekt, zu perfekt.

    Eine neue Kamera habe ich nicht gebraucht, ich wollte sie haben.

    Meine Kernfrage war, brauchen wir für gute Fotos eine neue Kamera für zig Tausend Euro ;) Bekommen wir gute Ergebnisse auch mit alter Technik hin. Was Du auch erwähnt hast in der Dunkelkammer, der Spaßfaktor. Auch enorm wichtig. Als ich in der Bretagne bei der Fotoreise war, alle mit den neusten Nikon Z 8., Z6 usw., AF voll Automatisch, ich mit meiner Sony A7II und einem Viltrox 16mm, wo der AF im Grunde nicht zu gebrauchen war, wenn es nicht ganz so hell war,, musste manuell fokussieren. Auch hat das Objektiv einen Mechanischen Blendenring, das alles machte eben auch Spaß. Das die Bilder etwas "schlechter" geworden sind, lag dann mehr an der fehlenden Erfahrung in Weitwinkel Bereich als an der Kamera. ;)

Jetzt mitmachen!

Du hast noch kein Benutzerkonto auf unserer Seite? Registriere dich kostenlos und nimm an unserer Community teil!